Kalender 2016

Unser Kalender für das Jahr 2016 wird sich mit einem völlig anderen Thema beschäftigen, als die meisten unserer Freunde und Geschäftspartner gewohnt sind: in künstlerischer Hinsicht mit einer besonderen Form des Ausschnitts und in historischer Hinsicht mit einer ganz besonderen Zeit.

Von je her hat mich die großindustrielle Produktion im Stil des ausgehenden Neunzehnten und des Zwanzigsten Jahrhunderts fasziniert. Ob es sich um die Werften in Glasgow handelte, die heute quasi nicht mehr existieren, die Schwerindustrie in Newcastle oder das Ruhrgebiet. Riesige Maschinen, die von ameisengleichen Menschen bedient wurden, Farbspiele bei denen Grau, Schwarz und Brauntöne von weißer, gelber und oranger Glut kontrastiert wurde, Schiffshüllen an, auf und in denen Funken sprühten. All dies erinnerte immer ein wenig an den Hades der griechischen Sagen oder Dantes Unterwelt.

Wie anders zeigte das Ruhrgebiet bei meinem Besuch im Jahr 2013. Die alten Industriegiganten schienen friedlich zu schlummern, auch wenn man ihre einstige Macht bei näherer Betrachtung immer noch zu spüren meint. Leuchtende Farben werden im Sonnenschein oder auch bei Kunstlicht sichtbar.

Als Mensch fühlt man sich immer noch ameisengleich, auch wenn die Dimension der Anlagen in dem Maß geschrumpft ist, dass nur Teile dem Besucher zugänglich sind. Zögernd erklimmt man die Türme der Hochöfen, steht staunend zwischen riesigen Gasgeneratoren und versucht die Funktionalität von Maschinen zu verstehen, die das Dimensionsgefühl des Menschen des 21. Jahrhunderts, der das digitale, das virtuelle das minimalistische gewohnt ist, sprengen.

Es gibt viele Fotografen, die Industriestandorte und deren Wandel dokumentiert haben. Kunst ist immer auf der Suche nach Neuem. Eine Eigenschaft der bildenden Kunst im Allgemeinen und der Fotografie im Besonderen ist, dass ein veränderter Blickwinkel ebenso wie ein veränderter Ausschnitt, die Aussage der Darstellung maßgeblich verändern können.

Der Ausschnitt bewirkt die Reduktion der visuellen Information. Das ist genau der Weg, den ich für diese Bilder einer real existierenden Wirklichkeit der analogen Industrie gewählt habe. Auch und gerade als Fotograf misstraue ich den Abbildern des Realen, die unseren Sinnen vermittelt werden, denn sie sind unvollkommen, beschränkt.

Die bewusste Wahl eines Ausschnitts regt dazu an, das Bild zu vervollkommnen, über Sinn und Funktionalität des Gezeigten nachzudenken. Der Fotografie haftet immer ein untrennbarer Bezug zu einer einmal gewesenen Situation an, dennoch bewirkt die Beschränkung des Dargestellten als bewusst angewandtes künstlerisches Prinzip, eine Erweiterung der Aussage,

Die hier abgebildeten Ausschnitte historischer Industrieller Anlagen sind für mich auch ein Beweis für die Schönheit der Schöpfung, auch wenn sie von Menschenhand geschaffen sind und nicht nur Menschen in Arbeit und Brot gebracht haben, sondern auch Sinnbild für soziale Ungerechtigkeit und Umweltzerstörung sind.


 

 

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