Interview zu Strandgut

Dorothea Lubahn im Gespräch mit
Thomas Michael Glaw

Juwelen am Strand mag man bei dem einen oder anderen Bild denken, das man in dem gerade erschienenen Buch Strandgut von Thomas Michael Glaw entdeckt. Es ist nicht nur die ungewöhnliche Abbildung der Dinge, die man bei einem Spaziergang am Strand findet, die das Bild besonders macht.Im Gespräch erläutert der Autor die Hintergründe zu seinem neuesten Buchprojekt:

Strandgut – der Titel suggeriert Meer, Wind und den Geschmack von Salz bei einem Spaziergang am Meer. Thomas, du gehst bei der Darstellung deiner Objekte ganz nah heran. Was ist für dich Strandgut?

Der Duden sagt, es sind vom Meer an den Strand gespülte Gegenstände. Und ein Gut muss ja nicht immer gut sein. Für mich ist Strandgut zunächst einmal das, was ich auch in meinem kurzen Vorwort beschrieben habe: Dinge, die man am Strand findet. Oft am Morgen nach der Flut, nach einem Sturm, aber auch generell bei bewegter See. Das sind Muscheln, Überreste von Lebewesen, ein Krebspanzer, aber auch von Menschen gemachtes, etwa ein Seil oder eine Zigarettenpackung. Im Sand und im Licht des Morgens scheinen sie alle ein Eigenleben zu besitzen. Eine flach stehende Sonne vermittelt Tiefe und der Strand, auf dem sie liegen, stellt etwas unberührtes, etwas reines dar. Es ist gar nicht so einfach, eine Art theoretischen Überbau für etwas zu geben, das mich zunächst einmal optisch beeindruckt hat. Bei mir läuft viel über das Auge, das Auge assoziiert Dinge miteinander und stellt für mich auch den Kontakt zu Erlerntem, Erinnertem her.

Es sind also die zufälligen Dinge am Strand, die dich inspirieren. An welchen Stränden bist du am liebsten Unterwegs?

 Ich mag einfach Strände. Ihre Weite, die Unberührtheit am Morgen, die Spuren des Lebens, die man auf ihnen wahrnimmt nach einem langen Tag und die das Meer bis zum nächsten Morgen wieder auslöscht. Wie auf einer altmodischen Schultafel. Am nächsten Morgen ist alles neu. Ich mag die Strände an großen Ozeanen, Atlantik, Pazifik. Für dieses Buch fanden überwiegen Bilder aus Irland und Spanien Verwendung, aber ich bin auch sehr gerne an den Stränden der US amerikanischen Ostküste: Maine, Delaware, North Carolina. Auch in Schottland und an der englischen Ostküste  gibt es sehr interessante Küstenstreifen, die aber zum Teil nicht oder nur schwer zugänglich sind. Wichtig ist, dass das Gefühl der ungebändigten Wildheit, das von einem großen Ozean ausgeht, spürbar ist.

Wenn man die Gedichte zwischen den Bildern liest, tauchen plötzlich ganz andere Themen auf. Was möchtest du deinen Lesern vermitteln?

Was möchte ein dichtender Fotograf oder ein fotografierender Dichter vermitteln? Der Titel „Strandgut“ ist hier gewissermaßen Programm. Auch die Gedichte sind Fundstücke, Spaziergänge durch München und andere Städte haben sie inspiriert. Kurze Momente, Beobachtungen, die in mir einen Prozess los treten, den ich dann in gebundene Sprache fasse. Manchmal kommt so auch eine Idee für eine Kurzgeschichte  oder eine kurze Erzählung zu Stande, meist ist es aber ein Gedicht. Ich glaube nicht, dass ein Dichter etwas vermitteln will. Es ist ein wenig wie bei den Saiten eines Instruments. Wenn ich eine Seite anschlage und es befindet sich ein weiteres Instrument mit der gleichen Stimmung im Zimmer, dann wird das ebenso beginnen zu schwingen. So ist das für mich auch mit Sprache. Meine Leserin, mein Leser ist ein wenig der Resonanzkörper meiner Gedanken. Das schönste was passieren kann, dass der Leser durch Bild und Sprache zu eigenen Assoziationen angeregt wird.

Strandgut war sicherlich ein sehr zeitaufwändiges Projekt. Folgt nun eine kreative Schaffenspause oder gibt es schon neue Projekte?

Was kommt danach? Nun, oft bekomme ich die Frage, wann endlich der nächste Benedict Schönheit Krimi kommt. Er ist zu einem Drittel fertig gestellt und ich hoffe ihn in den nächsten drei Monaten fertig zu schreiben. Danach kommt dann ein langer „streich, ersetz, neu schreib, umschreib, beinahe verzweifel“ Prozess. Die meisten Schriftsteller sagen, Schreiben sei eine Plage, geschrieben haben ein Vergnügen. Ich schreibe eigentlich gerne, empfinde das Korrigieren, bzw. das Lektorat, das Ringen um das richtige Wort, um Stringenz, um das Streichen von Überflüssigen als eine, wenn auch notwendige, Plage.

Na ja, und nach dem Bene 3 möchte ich gerne die zahlreichen Reiseerzählungen der letzten drei Jahre in einem Band zusammenfassen und mit aussagekräftigen Fotografien versehen.